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Die Sprache der Literatur im Dienste des Identitätsschutzes: Gianna Olinda Cadonau im Rahmen der 48. Solothurner Literaturtage

Gianna Olinda Cadonau ,
Foto: © Waha Alfikir

Die Sprache der Literatur im Dienste des Identitätsschutzes: Gianna Olinda Cadonau im Rahmen der 48. Solothurner Literaturtage

Exklusiv: Waha Alfikir_ Khalid Derik

Event: Lesung und Gespräch mit der Schweizer Literatin Gianna Olinda Cadonau, unter der versierten Moderation von Sieglinde Geisel.

Ort: Kino Palace – Solothurn, Schweiz

Zeit: Samstag, 16. Mai 2026, um 13:00 Uhr

Menschliche Resonanz: Die Live-Lesungen und ihr präzises Timing

Die von Sieglinde Geisel kompetent moderierte Begegnung stieß auf große Resonanz beim Publikum. Die Veranstaltung verband die intellektuelle Diskussion mit Live-Lesungen, die die Autorin auf Deutsch in wohlüberlegten Abständen vortrug, was die Anwesenden durchgehend in Spannung hielt.

Der erste Text: Die Autorin präsentierte einen Text mit dem Titel „Steh auf“, der einen tiefen motivierenden Charakter besitzt, das menschliche Wesen berührt und zum Widerstand sowie zum Aufstehen auffordert

Das zweite Textfragment: Hier las die Autorin „Alte von Mama“, ein emotional tiefgründiges, berührendes Opus, welches Erinnerungen an die Mütterlichkeit, das familiäre Erbe sowie die Verankerung in den ureigenen Ursprüngen evoziert.

Gianna Olinda Cadonau .,

Diskursschwerpunkte: Politik, Linguistik und die Fundamente der Demokratie

Die Zeit zwischen den beiden Lesungen war geprägt von einem tiefgründigen Dialog zwischen Sieglinde Geisel und der Autorin, der sich auf die politischen und sozialen Dimensionen von Sprache in modernen Gesellschaften konzentrierte. Die Autorin sprach ausführlich über zwei Kernpunkte.

Ahnensprache und Identität: Cadonau thematisierte die Realität des Rätoromanischen als ihre Muttersprache und als Minderheitensprache in der Schweiz. Sie zeigte auf, wie sich die Bewahrung dieses mündlichen und schriftlichen Erbes in ihrer Lyrik und Prosa als Akt des literarischen Widerstands widerspiegelt.

Minderheitensprachen und Demokratie: Das Podium diskutierte wichtige politische und kulturelle Aspekte. Die Autorin unterstrich, dass der Respekt und Schutz von Minderheitensprachen kein Luxus, sondern ein Grundpfeiler echter Demokratie sowie ein Indikator für den politischen und menschlichen Horizont von Staaten ist.

Über die Verfasserin und ihre kulturpolitische Relevanz

Gianna Cadonau (Jahrgang 1983) gilt als eine der profiliertesten Stimmen zur Verteidigung des rätoromanischen Erbes in der Schweiz. Ihr Engagement beschränkt sich nicht nur auf die kreative Ebene durch ihre preisgekrönten Romane und Gedichtbände (darunter der Terra Nova Preis und der Studer/Ganz-Preis), sondern erstreckt sich auch auf die Praxis als Verantwortliche für Kulturförderung bei der Lia Rumantscha.

Zudem reicht ihre Aktivität über die lokalen Grenzen hinaus auf die internationale Bühne; so wurden ihre Gedichte jüngst in Kooperation mit der Schweizer Botschaft in Madrid ins Spanische übersetzt, um Brücken für den kulturellen Austausch zu schlagen und die Besonderheit ihrer Sprache nach Europa und Südamerika zu tragen.

 

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Foto: © Waha Alfikir

Allgemeiner Eindruck

Das Symposium bot dem Auditorium eine exzellente Gelegenheit, Literatur mit der gelebten politischen Realität zu korrelieren. Es verdeutlichte, in welchem Maße das geschriebene Wort gepaart mit einer intellektuellen Dialogführung – konzipiert unter der Mitwirkung von Sieglinde Geisel – imstande ist, die kollektive Identität eines Volkes sowie eine traditionsreiche Kultur vor der Obsoleszenz (dem Aussterben) und dem Vergessen zu bewahren.

 

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