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Veronika Sutter erzählt Generationengeschichten bei den 48. Solothurner Literaturtagen

Veronika Sutter ,
Foto: © Waha Alfikir

Veronika Sutter erzählt Generationengeschichten bei den 48. Solothurner Literaturtagen

Exklusiv: Waha Alfikir – Khalid Dêrik

Event: Lesung und Gespräch mit der Schweizer Autorin Veronika Sutter, moderiert von Christoph Keller

Ort: Kino Palace – Solothurn, Schweiz. Zeit: Samstag, 16. Mai 2026, um 14:30 Uhr.

Schreibphilosophie: Literatur, die aus der Lebenserfahrung geboren wird

Die Autorin und Menschenrechtsaktivistin Veronika Sutter (Jahrgang 1958) eröffnete ihr Podium mit ehrlichen, persönlichen Einblicken, die das Publikum tief berührten. Dabei definierte sie ihre eigene Schreibphilosophie mit den Worten: „Ich bin eine Autorin, die ihre Texte aus realen Lebenserfahrungen schöpft.

Sutter erklärte dem Publikum und dem Moderator Christoph Keller, wie ihre dokumentarische und literarische Reise begann, indem sie sich auf die Geschichte von Wohnsiedlungen konzentrierte, die bis zum Beginn des letzten Jahrhunderts zurückreicht. Ursprünglich wollte sie sich damit beschäftigen, in den Biografien ganz gewöhnlicher Menschen zu graben. Aus dieser dokumentarischen Leidenschaft heraus fing sie an, weitreichende menschliche Geschichten zu entfalten, in denen sich die Schicksale im Laufe der Zeit kreuzen.

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Foto: © Waha Alfikir

Das Gedächtnis des Ortes: Schauplatz für vier aufeinanderfolgende Generationen

Das Podium bot eine tiefgründige Analyse der dramaturgischen Hintergründe in Sutters literarischer Welt. Die Autorin legte dar, wie sich der Raum der Wohnsiedlung und seine traditionsreiche Geschichte von einem bloßen Handlungsort in den Hauptmotor der Erzählung verwandelten:

Ein Generationenroman: Ausgehend von diesen historischen Wurzeln gelang es Sutter, die Lebenswege von drei bis vier aufeinanderfolgenden Generationen zu verfolgen, die in diesem gemeinsamen Wohnraum lebten. Dabei fing sie die soziologischen und gesellschaftlichen Veränderungen ein, die die Schweizer Gesellschaft im Laufe der Jahrzehnte prägten.

Figuren, die ihren literarischen Willen durchsetzen: In einer klugen Bemerkung über das Aufbegehren von Figuren gegen die Pläne des Autors erwähnte Sutter, wie der Realismus den Text leiten kann. Sie betonte: „Der siebzigjährige Mann hat sich als Haupt- und Schlüsselfigur in meinem Buch aufgedrängt.“ So wurde dieser ältere Mann zu einer lebendigen Brücke und einem pulsierenden Gedächtnis, das die Vergangenheit des Ortes mit seiner gelebten Gegenwart verbindet.

Die Live-Lesung: Als Höhepunkt der Veranstaltung las Sutter lebendige und bewegende Passagen aus ihrem neuen, 2025 erschienenen Roman „Mein Bett gehört mir nur in der Nacht“. Dieses Werk vertieft ihre literarische Spurensuche in den verborgenen Winkeln zwischenmenschlicher Beziehungen und den emotionalen Veränderungen über Generationen hinweg.

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Foto: © Waha Alfikir

Zur Person der Autorin und ihrer kulturellen Relevanz

Die in Zürich lebende Veronika Sutter gilt seit dem Erfolg ihres Erzählbands „Grösser als du“, der 2021 auf die Shortlist des Schweizer Buchpreises gelangte, als „Überraschungsdebütantin des Schweizer Literaturbetriebs“. Die Autorin blickt auf ein langjähriges Engagement für Frauenrechte und gegen häusliche Gewalt zurück. So war sie eine der aktiven Organisatorinnen des berühmten Frauenstreiks von 1991, bekleidete jahrelang Führungspositionen in großen Menschenrechtsorganisationen wie „Amnesty International“ und war Vorstandsmitglied des Zürcher Frauenhauses. Diese Erfahrungen verleihen ihren literarischen Texten eine seltene, präzise Schärfe bei der Analyse der Gesellschaft und ihrer Problemfelder.

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Foto: © Waha Alfikir

Allgemeiner Eindruck

Das von Christoph Keller souverän moderierte Podium zeigte eindrucksvoll, wie sich soziale Arbeit und die vergessene Geschichte von Wohnsiedlungen in hochkarätige Literatur verwandeln lassen. Veronika Sutter bewies dem Publikum, dass das geschriebene Wort in der Lage ist, den Geschichten der Vorfahren neues Leben einzuhauchen, um aus den Mauern der Vergangenheit einen enthüllenden Spiegel für unsere heutige Realität zu machen.

 

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